Gemischte Gefühle werden uns in den nächsten Tagen abverlangt. Der traurige Abschied von Jesus mit einem letzten gemeinsamen Essen morgen am Gründonnerstag, sein schwerer Weg zum Kreuz, die Stille des Karfreitags und Karsamstags. Und dann soll die jubelnde Osterfreude kommen, noch in der Nacht oder ganz früh am Morgen. Aber unsere Herzen haben ja gar keine Knöpfe, mit denen man so einfach umschalten könnte und fühlen, was an Gefühlen verlangt wird.
Für alle, die damit ihre Schwierigkeiten haben, wird von den Frauen am Grab erzählt und von ihren gemischten Gefühlen auf dem Weg zum Grab und vom leeren Grab zurück. Und dabei ist noch gar nicht an all das gedacht, was sie an unterschiedlichen Gefühlen aushalten mussten, die ganze Woche schon, seit Jesus in Jerusalem eingezogen ist.
Es wird nicht viel über die Frauen berichtet in den biblischen Passionsgeschichten. Sie bleiben am Rand, wie so oft. Eine kleine Gruppe unter ihnen sind die Mütter, die Mutter von Jesus und die Mütter der anderen Männer aus dem engsten Kreis um Jesus herum. Aber es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, welche Sorgen sie sich die ganze Zeit gemacht haben, um Jesus und seine Freunde, mit welchen Gefühlen sie zu tun hatten. Sorge, Angst, auch Ärger über die Art, wie Jesus sein Schicksal herausgefordert hat, Verzweiflung, Entsetzen, Trauer Leere.
Mit ihren erschöpften Herzen gehen die Frauen noch einmal zum Grab, als alles vorbei zu sein scheint. Und das Einzige, was sie sich wünschen, ist Abschied zu nehmen. An diesem Grab, wo Jesus seine letzte Ruhe gefunden hat, wollen sie auch ihre Ruhe wiederfinden.
Der Weg zum Grab macht das Herz schwer und leicht. Darauf sind die Frauen eingestellt. Was sie vorfinden, ist furchtbar. Ein offenes Grab. Statt Ruhe und Sicherheit wieder Unruhe und Angst, Entsetzen und Schmerz. Geht es wieder los? Ist es nicht vorbei? Sollen wir etwa wieder Hoffnung haben?
Ein offenes Grab. Eine Hoffnung, die sich nicht begraben lässt. Eine Hoffnung, für die kein Grab tief und kein Stein schwer genug ist. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Das ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt haben.
Die Hoffnung begraben, dem Tod entgegengehen. Das können wir. Damit machen wir unsere Erfahrungen im Lauf unseres Lebens. Die Hoffnung begraben, dem Tod entgegengehen, in kleinen Schritten, jeden Tag. „Da kann man ja doch nichts machen“, „Das lohnt die Mühe nicht“, „Das verändert doch nichts“. So kann man leben und schon im Leben tot sein. Die Stimmung vieler Menschen ist danach. Die vielen Krisen dieser Zeit, ganz zu schweigen von den Krisen, die das persönliche Leben so zu bieten hat. Die Hoffnung begraben, einen schweren Stein darauf und dem Tod entgegengehen. Sich einrichten in der Hoffnungslosigkeit. Mit diesem Gefühl sind so viele Menschen unterwegs.
Fürchtet euch nicht, sagt der Engel. Im offenen Grab sitzt er, einer, der lässt nicht zulässt, dass hier ein Kult der begrabenen Hoffnung gefeiert wird. Der Engel schickt die Frauen weg vom Tod und zurück ins Leben. Ja, das ist eine Zumutung, nach allem, was sie schon erlebt habt. Geht es wieder los? Ist es nicht vorbei? Sollen wir wieder Hoffnung haben? Die Herzen so schwer, so erschöpft, dass jede Bewegung schmerzt, auch die Freude. Aber Gefühle fühlen, auch die gemischten, das macht uns zu Menschen. Mit Furcht und Freude gehen wir durch diese Woche. Und kommen an Ostern an.

